Woher kommt eigentlich der Name ?   D O R N B U R G

Als die Gemeindereform die fünf einstmals selbständigen Gemeinden Frickhofen, Thalheim, Dorndorf, Wilsenroth und Langendernbach zu einer Großgemeinde zusammenführte, wählte man für sie den Namen Dornburg, den Namen eines zentral gelegenen tafelförmigen Basaltmassivs, der ursprünglich das obere Tal der Elb landschaftlich beherrschte, bevor ihn der Basaltabbau auf seine heutige halbe Größe reduzierte.
Als man diesen Namen wählte, war man sich sehr wohl der einstigen Mittelpunktfunktion des von Kelten im 6. vorchristliche Jahrhundert begründeten und in der Spätlatènezeit zu bedeutender Größe und Blüte entwickelten Oppidums bewusst, eines zentralen Markt-und Herrschaftsplatzes mit Ringwällen und Maueranlagen, der nach den dort gemachten Funden zuletzt eine wichtige Rolle in Metallbearbeitung und -handel bei den Kelten unserer Region gespielt haben muss, bevor er um 55 vor Chr. von Germanen überwältigt wurde.
Auch war bekannt, dass die Dornburg im frühen Mittelalter den Franken als militärisch-organisatorischer Mittelpunkt diente, an den sich auch eine kleine Kirche anschloss, die zum geistlichen Mittelpunkt für einen Kranz von –heim-Orten wurde. Diese Funktion übernahm nach dem mittelalterlichen Niedergang der Dornburg eine neue Kirche auf dem Blasiusberg.
Nicht bewusst waren sich die Namengeber freilich, welchen Glücksgriff sie mit dem Namen Dornburg taten. Denn der Name Dornburg galt damals gemeinhin als Abkömmling von ahd. thorn, mhd. dorn = Dorn, Dornstrauch, Gebüsch1, vielleicht auch von einem Vornamen Toro2, muss deshalb als Name den Namengebern eher banal vor.gekommen sein.
Ist er das aber wirklich? Gewiss, Dornhecken wären eine ungeeignete Kennzeichnung für einen so markanten Berg und eine dort errichtete Burg. Und von einem Toro ist hier nichts bekannt; weder unter keltischen3 Namen noch in der regionalen historischen Überlieferung findet sich auch nur ein Hinweis auf einen Toro.
So steht der Name als Toponym für sich selbst und ist nach den Methoden zu deuten, die auch sonst für Ortsbezeichnungen gelten, nämlich zunächst im Vergleich mit gleichen und ähnlichen Namen gleicher oder ähnlicher örtlicher Gegebenheiten.
Dabei fällt zunächst auf, dass mehrere Berge mit einstmals keltischen Oppida ähnliche Namen tragen: so der Dörnberg sö. Zierenbergs im Kreis Wolfhagen, so der Donnersberg bei Mainz und so der Dürrnstein bei Hallein / Tirol. Und aus der Literatur sind als keltische Namen überliefert OCTODURUS, das heutige Martigny, sowie AUGUSTODURON, der gallische Name des heutigen Bayeux; BRIVODURON, der gallische Name des heutigen Briare, NEMETODURON, der gallische Name des heutigen Nantere4, und BOIODURON5, alles ursprünglich von Wällen und Mauern eingeschlossene Plätze.
Eine ältere Deutung dieser Namen nach einem kelt. Adjektiv dûro- = hart und der damit bezeichneten Plätze als Festungen6 hat sich philologisch nicht halten lassen, da genauere Untersuchungen hart im Keltischen als duro- (mit kurzem u) identifizierten. Deshalb hat man dûron- zu engl. door = Tor stellen müssen7, wie das auch schon Endlicher's Glossar tat8, welche Deutung sich inzwischen allgemein durchgesetzt hat. Das gallische Wort dûro- stammt von der keltischen Wurzel *dųoro- , diese wiederum von der indoeuropäischen *dhųer- dhųor- = Tür, Tor9, die ursprünglich nur als Dualwort vorkam, also zweiflügelige Tore und Türen bezeichnete.

Rekonstruktion eines murus gallicus in Bibracte

Die Kelten bezeichneten mit diesem Wort, was die Römer ein forum10 nannten, den befestigten Marktplatz, den ummauerten Gerichtsort, und die oben genannten keltischen Ortsnamen lauten demnach übertragen:
OCTODURUS – Martigny = Markt der Acht
AUGUSTODURON – Bayeux = Forum des Augustus
BRIVODURON – Briare = Brückenmarkt
NEMETODURON – NanterRe = Markt am eingefriedeten Heiligtum 11 MARCODURUM – DÜREN = Pferdemarkt
BOIODURON – Forum der Bojer
Beachtet man nun die Mundartform des Namens Dornburg dûrmesch, dôrmesch, so darf man wohl mit gutem Grund im dorn- des Namens Dornburg einen Nachkommen des gallischen Wortes dûro- sehen. An dessen Genitiv Plural dûron- wurde gall. briga- = Berg, Burg angefügt, und so bildete man den ursprünglichen keltischen Namen DURONBRIGA = Berg der Tore = befesigter Marktberg. Aus gall. dûronbriga bildete sich über germ. dauronbaurgs12 und daraus fränk. dûrenburg die deutsche Form dûrnburg, dôrnburg.
An die fränkische Zeit erinnert auf der Dornburg nicht nur die in den Grundrissen erhaltene Kirche mit dem so genannten Hildegardisbrunnen, sondern auch der überlieferte Flurname Heidenpütz, im Dialekt hârepütz, der an das in der fränkischen Lex Salica erhaltene harahus erinnert, dem Platz 'an dem man die Eide schwört'.(Vgl. Artikel Heidenhäuschen!)
Was einst den Namen 'Berg der Tore' auslöste, kann man auf einer Wanderung über die Reste der Dornburg, die der Basaltabbau übrig ließ, an einigen Stellen noch erahnen, wo Mauer- und Wallreste auf einstige Durchgänge hinweisen. Deutlich sichtbar sind aber die Rödchesmauer, ein murus gallicus, der einst als Stein-Erde-(Holz?)–Konstruktion die Hochfläche des Marktplatzes zum Watzenhahn hin abschloss, und nach Süden zu Steinwälle, wie sie einst die ganze Hochfläche umschlossen.

Quelle: Peter Paul Schweitzer

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